Sehnsucht nach dem Frühling

Gedicht von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

O wie ist es kalt geworden
und so traurig, öd’ und leer!
Rauhe Winde wehen von Norden,
und die Sonne scheint nicht mehr.

Auf die Berge möcht’ ich fliegen,
möchte sehn ein grünes Tal,
möcht’ in Gras und Blumen liegen
und mich freun am Sonnenstrahl.

Möchte hören die Schalmeien
und der Herden Glockenklang,
möchte freuen mich im Freien
an der Vögel süssem Sang.

Schöner Frühling, komm doch wieder,
lieber Frühling, komm doch bald,
bring uns Blumen, Laub und Lieder,
schmücke wieder Feld und Wald!

Ja, du bist uns treu geblieben,

kommst nun bald in Pracht und Glanz,
bringst nun bald all deinen Lieben 
Sang und Freude, Spiel und Tanz.

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Der Stern

Ein kurdisches Lied zu Epiphania
(gestaltpädagogisch kompatibel .. 🙂 )

Ich bin wie ein Fremder, suchend nach dem Weg.
Wie ein Vogel, der herumfliegt.
Ich bin fremd und weiss nicht wer ich bin.
Ich gehe los!
Halte Ausschau, auf der Suche nach meinem Traum.
In den Bergen, auf den Hochebenen, in den Dörfern und Städten.
Es ist jedoch nicht einfach nach den Sternen zu suchen.
Lächelnde Sterne sind wie Augen.
Eine lange Reise und ich frage mich, „wer ist denn dieser Stern“?
Ich wandere herum auf den Feldern, in den Abzweigungen,
in den Hügeln, den Dörfern und Städten.
Wo ist mein Stern?
Mein Herz wird ihn finden….

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Gehen in ein neues Jahr

War es ein langes, ein kurzes,
ein schnelles, ein langsames Jahr,
mit all dem, was da ist und war?
Wo sind wir hingefallen, wo ist uns die Krone verrutscht?
War es ein gutes, ein hartes,
ein schlimmes, ein schönes Jahr,
in all dem, was so kam und war?
Wo sind wir hingefallen, wo ist uns die Krone verrutscht?
War es ein frohes, ein schweres,
ein mühvolles, ein glückliches Jahr,
bei all dem, was so war, wie es war?
War es ein gesundes, ein leidvolles,
ein trauriges, ein wunderbares Jahr,
mit all dem, was da ist und war?
Wo sind wir hingefallen, wo ist uns die Krone verrutscht?
Es war dein Jahr mit uns, du unser Gott,
es war deine Zeit, die du uns zugeteilt,
es war deine Wurzelkraft, mit der du uns geheilt.

Mit guten Gedanken
Will ich das alte Jahr verabschieden
Und mit Segenswünschen
Das neue Jahr begrüssen.

Mit offenen Händen
Will ich das Vergangene abgeben
Und mit betenden Augen
Das Künftige erwarten.

Mit wertvollen Erinnerungen
Will ich das Gewordene bewahren
Und mit demütigen Erwartungen
Das Kommende empfangen.

Mit dankbaren Worten
Will ich das Gewesene würdigen
Und mit hörendem Herzen
Das Werdende schätzen.

Mit beschwingten Schritten
Gehen von alten in das neue Jahr
Folgend meinem Stern
Nach Bethlehem, wo Gott neu Mensch wird.

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Weihnachtsbrief 2020

Wenn du Gott vertraust
seiner Zusage glaubst
den nächsten Schritt wagst

ohne zu ahnen wohin der Weg führt
ohne zu wissen wie das Ziel heisst
nur von der Hoffnung und Sehnsucht getrieben

dann wirst du achtsam bleiben
wach mit allen Sinnen suchen und sein
dankbar für Zeichen und Worte und staunen darüber

wie sich Schritt für Schritt
ein Weg ergibt sich das Ahnen verdichtet
der Boden trägt und zum Quellgrund wird.

Andrea Schwarz

Liebe Freundinnen und Freunde der Gestalt

Ein besonderes Jahr geht seinem Ende entgegen. Corona hat uns allen – mehr oder weniger – einiges abverlangt. Ich hoffe sehr, dass ihr alle – und auch eure Familien – gesund geblieben seid, auch wenn die Einschränkungen nicht leicht zu verkraften waren und sind. Wir brauchen in dieser Zeit einen langen Atem. Dachten wir doch im Frühling, dass bis im Herbst der ganze Spuk vorbeisein würde. Leider ist es anders gekommen, und es ist sicher auch für euch nicht einfach, diese Ungewissheit auszuhalten.
Durch einen Vortrag bin ich dem obenstehenden Bild begegnet. Es stammt von Emil Nolde und heisst «Der grosse Gärtner». Die Werke dieses Künstlers wurden im dritten Reich als «entartete Kunst» bezeichnet. Der Künstler hat eine ausserordentlich schwierige Zeit erlebt, und mich dünkt, dass er etwas von seinen Erfahrungen im vorliegenden Bild ausgedrückt hat. Ich möchte euch einladen, euch darauf in Ruhe einzulassen und es auf euch wirken u lassen, bevor ihr weiterlest.

Ich möchte euch meine persönliche Deutung nicht vorenthalten. Beim genaueren Hinsehen scheint mir, das Bild passe auch in unsere aktuelle Zeit mit Corona.
Die Figur des Gärtners berührt die Pflanzen unendlich zart. In den Stielen der Pflanzen steigt lichtvoller Lebenssaft auf. Ist es ein Zufall, dass vor dem Mund des Gärtners ein gelboranges Wölklein schwebt, einem Hauch gleich, der die Pflanzen zum Leben erweckt hat? Ein Teil der Pflanzen wurde jedoch von Düsternis erfasst. Sie scheinen verkohlt, während oben Feuerflammen emporlodern. Der Blick des Gärtners wirkt liebevoll, doch unendlich traurig, doch er bleibt da und kümmert sich um seinen Garten.
Ich stelle mir vor, dass Nolde hier eine Gotteserfahrung zum Ausdruck gebracht haben könnte, ein Gott, der im Angesicht von Not und Weltenbrand diesem zwar nicht Einhalt gebieten kann, doch in jeder Situation bei uns Menschen ist.
Bald feiern wir Weihnachten. Wir feiern, dass Gott als einer von uns zur Welt kommt, sich ganz in unsere Dunkelheiten und Abgründe hineinbegibt, um mit uns zu gehen, um uns zu zeigen, wie wir miteinander umgehen können, wie wir einander Trost und Kraft geben können in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Die Zuversicht, dass Gott mit uns ist, wünsche ich uns allen, dass wir kreativ sind im Pflegen guter Beziehungen, dass wir achtsam bleiben für die kleinen Freuden des Lebens, die uns täglich begegnen.

In diesem Sinne wünsche ich euch gesegnete Weihnachten und ein gesundes neues Jahr voller neuer Perspektiven

Im Namen des Vorstandes grüsst euch herzlich                             

                                                                                Rosemarie

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