Weihnachtsbrief 2020

Wenn du Gott vertraust
seiner Zusage glaubst
den nächsten Schritt wagst

ohne zu ahnen wohin der Weg führt
ohne zu wissen wie das Ziel heisst
nur von der Hoffnung und Sehnsucht getrieben

dann wirst du achtsam bleiben
wach mit allen Sinnen suchen und sein
dankbar für Zeichen und Worte und staunen darüber

wie sich Schritt für Schritt
ein Weg ergibt sich das Ahnen verdichtet
der Boden trägt und zum Quellgrund wird.

Andrea Schwarz

Liebe Freundinnen und Freunde der Gestalt

Ein besonderes Jahr geht seinem Ende entgegen. Corona hat uns allen – mehr oder weniger – einiges abverlangt. Ich hoffe sehr, dass ihr alle – und auch eure Familien – gesund geblieben seid, auch wenn die Einschränkungen nicht leicht zu verkraften waren und sind. Wir brauchen in dieser Zeit einen langen Atem. Dachten wir doch im Frühling, dass bis im Herbst der ganze Spuk vorbeisein würde. Leider ist es anders gekommen, und es ist sicher auch für euch nicht einfach, diese Ungewissheit auszuhalten.
Durch einen Vortrag bin ich dem obenstehenden Bild begegnet. Es stammt von Emil Nolde und heisst «Der grosse Gärtner». Die Werke dieses Künstlers wurden im dritten Reich als «entartete Kunst» bezeichnet. Der Künstler hat eine ausserordentlich schwierige Zeit erlebt, und mich dünkt, dass er etwas von seinen Erfahrungen im vorliegenden Bild ausgedrückt hat. Ich möchte euch einladen, euch darauf in Ruhe einzulassen und es auf euch wirken u lassen, bevor ihr weiterlest.

Ich möchte euch meine persönliche Deutung nicht vorenthalten. Beim genaueren Hinsehen scheint mir, das Bild passe auch in unsere aktuelle Zeit mit Corona.
Die Figur des Gärtners berührt die Pflanzen unendlich zart. In den Stielen der Pflanzen steigt lichtvoller Lebenssaft auf. Ist es ein Zufall, dass vor dem Mund des Gärtners ein gelboranges Wölklein schwebt, einem Hauch gleich, der die Pflanzen zum Leben erweckt hat? Ein Teil der Pflanzen wurde jedoch von Düsternis erfasst. Sie scheinen verkohlt, während oben Feuerflammen emporlodern. Der Blick des Gärtners wirkt liebevoll, doch unendlich traurig, doch er bleibt da und kümmert sich um seinen Garten.
Ich stelle mir vor, dass Nolde hier eine Gotteserfahrung zum Ausdruck gebracht haben könnte, ein Gott, der im Angesicht von Not und Weltenbrand diesem zwar nicht Einhalt gebieten kann, doch in jeder Situation bei uns Menschen ist.
Bald feiern wir Weihnachten. Wir feiern, dass Gott als einer von uns zur Welt kommt, sich ganz in unsere Dunkelheiten und Abgründe hineinbegibt, um mit uns zu gehen, um uns zu zeigen, wie wir miteinander umgehen können, wie wir einander Trost und Kraft geben können in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Die Zuversicht, dass Gott mit uns ist, wünsche ich uns allen, dass wir kreativ sind im Pflegen guter Beziehungen, dass wir achtsam bleiben für die kleinen Freuden des Lebens, die uns täglich begegnen.

In diesem Sinne wünsche ich euch gesegnete Weihnachten und ein gesundes neues Jahr voller neuer Perspektiven

Im Namen des Vorstandes grüsst euch herzlich                             

                                                                                Rosemarie

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